Ein Blick ins Gestern

Die Entwicklung vom Siechenhaus zum Schlachthof und schließlich zu einem der modernsten Technologiestandorte Wiens

Die spätmittelalterliche Kapelle des Siechenhauses für Pestkranke und Aussätzige, die erste Nutzung des Areals St. Marx, war dem Heiligen Lazar geweiht. Ungefähr 100 Jahre später entstand die Markuskapelle, die bis heute dem Gebiet seinen Namen verleiht -  aus dem heiligen Markus wurde im Volksmund „Marks“ bzw. „Marx“.

              

                                                
St. Marx wird Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals für ein großflächiges Schlachthaus genutzt, nachdem die Kommunalisierung der Schlachtangelegenheiten aufgrund des Bevölkerungswachstums dringend notwendig geworden war. Nach mehreren Umbauten, Erweiterungen und de Errichtung einer Schlachthausbahn beschloss der Wiener Gemeinderat 1877 die Errichtung des „Wiener Central-Schlachtviehmarktes“, um hygienischen Anforderungen und Kapazitätsengpässen gerecht werden zu können. Zu diesem Zweck wurde auch die bis heute bestehende Rinderhalle errichtet. Die sogenannte „Kontumazanlage“ stellt um 1900 eine europaweite Innovation dar – sei diente zur Beschau von Schlachtvieh aus seuchenverdächtigen Gebieten.

              
Bild: Bezirksmuseum Landstraße

 

Nach Schäden während des 2. Weltkrieges wird das Schlachthofareal nach alten Plänen wieder aufgebaut, um schließlich in den 1960er Jahren dem neu errichteten „Fleischzentrum St. Marx“ zu weichen. Während das Wiener Bundesdenkmalamt zunächst nur das Rindertor als schutzwürdig erachtet, wurden in den 1990er Jahren auch die Viehmarkthalle, Verwaltungs- und Bankgebäude unter Denkmalschutzgestellt.

Der strukturell geschwächte kommunale Schlachtbetrieb wurde schließlich 1997 geschlossen. Der Zerlegebetrieb, der auf dem Fleischmarktgrundstück angesiedelt war, wurde Ende 2007 nach Inzersdorf abgesielt, wo das neue Fleischzentrum „f-eins“ errichtet wurde.